Projekt des Monats September 2009

Hochwasserschutz - Frischwasser für die Alte Oder

Blick vom Einlaufbereich auf  Oderrestarm (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernBlick vom Einlaufbereich auf Oderrestarm (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Im Hochwasserjahr 1997 konnten an der Oder die Deiche nur mit hohem Einsatz gehalten werden. Nach dem Rückgang des Hochwassers wollte man die Schäden nicht einfach nur reparieren. Der Wiederaufbau der Deiche sollte nach den aktuellen Regeln der Technik erfolgen.

Dazu gehört auch das moderne Einleitungsbauwerk an der Alten Oder bei Güstebieser Loose im Landkreis Märkisch-Oderland. Es soll künftig Wasser aus der Oder unter den Deich hindurch in das Gewässerbett der Alten Oder einleiten.

Schieberhaus an Alter Oder (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernSchieberhaus an Alter Oder (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Vor über 250 Jahren wurde der Bau des Oderkanals vollendet. Zwischen Güstebiese und Hohensaaten erhielt der Hauptstrom der Oder sein neues Flussbett. 1832 wurde die Alte Oder vom neuen Flussbett getrennt, da es bei Hochwasser immer wieder zu Überschwemmungen zwischen den Deichen an der Alten Oder und zu Vernässungen der angrenzenden Bereiche des Oderbruchs kam. Mit der Abtrennung konnte man sich entlang des neuen, verkürzten Flusslaufes der Oder an einer durchgehenden Deichlinie zwischen Lebus und Hohensaaten vor Hochwasser schützen.

Einlaufbereich (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernEinlaufbereich (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Von der Oder führt bis zum Deich noch ein großer Restarm. Die hinter dem Deich verbleibenden Abschnitte der Alten Oder verlandeten zunehmend.  Das Wasser floss praktisch kaum noch. Durch lange Verweilzeiten des Wassers und wachsenden Eintrag von organischen Stoffen wurde das gewässerökologische Gleichgewicht erheblich gestört. In besonders warmen Zeiten stank es buchstäblich zum Himmel.  Die Alte Oder soll deshalb nun eine Frischwasserkur erhalten, um den ökologischen Zustand entsprechend der EU-Wasserrahmenrichtlinie verbessern zu können. Beabsichtigt sind die Zufuhr von 1.800 bis 3.600 m³ Oderwasser je Stunde. Dazu war der Bau eines Einleitungsbauwerkes an der Stelle notwendig, an der 1832 die Abtrennung erfolgte.

Deichschlitzung mit Spundwandsicherung (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernDeichschlitzung mit Spundwandsicherung (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Nach der 2008 erfolgten Schlitzung des Oderdeiches und der deshalb erforderlichen Errichtung umfangreicher Spundwände werden bis zum September 2009

  • ein Einlaufbauwerk mit Krautrechen,
  • drei Rohrleitungen mit einem Durchmesser von 60 cm, einer Länge von fast 40 m und einer Neigung zum Oderbruch von 1 %,
  • ein Schieberhaus mit Messrohren und zwei Keilovalschiebern sowie einem Ringkolbenschieber, die der exakten Dosierung der Durchflussmenge dienen,
  • ein Auslaufbauwerk mit Tosbecken sowie
  • zwei Portalkrananlagen errichtet.

Hinzu kommen der inzwischen abgeschlossene Neuaufbau des Deichabschnitts einschließlich der Anlage von Zuwegungen und Treppen. Da der Durchfluss auch bei Niedrigwasser gesichert werden muss, wurden die Rohre etwa 4 m unter dem Deichweg verlegt.

Portalkran im Einlaufbereich (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernPortalkran im Einlaufbereich (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Über eine Datenfernübertragung können stets der aktuelle Innen- und Außenpegel, die Wassertemperatur und die Durchflussmenge abgerufen werden.

Mit Hilfe der Portalkrananlagen sollen die Krautentnahme im Zulaufbereich, Pflege- und Wartungsarbeiten sowie der Schieberwechsel unterstützt werden. Errichtet wurde das Bauwerk von der IWT Ingenieur-, Wasser- und Tiefbau GmbH Frankfurt (Oder) unter Einbeziehung weiterer, regional ansässiger Firmen. Im September 2009 wird erstmals wieder frisches Oderwasser in die Alte Oder fließen können.

Der für den Hochwasserschutz zuständige Bauoberleiter Günter Wartenberg vom Landesumweltamt informierte darüber, dass gegenwärtig - ebenfalls unterstützt vom ELER - eine Studie erarbeitet wird. Sie soll die für eine erfolgreiche Gewässerrevitalisierung notwendigen Folgearbeiten entlang der Alten Oder untersuchen. So sind z. B. die Hinterlassenschaften ehemaliger Entenmastbetriebe zu beachten.